3. Prognose und Weiterentwicklung der erfolgreichen Strategie
3.1 Prognosebericht
Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland bleibt auch im Jahr 2026 von strukturellen Herausforderungen und erhöhten Unsicherheiten geprägt. Nach einer Phase schwacher wirtschaftlicher Entwicklung zeigte sich zum Jahresende 2025 eine leichte konjunkturelle Stabilisierung. Für das Jahr 2026 erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute eine moderate Erholung der deutschen Wirtschaft mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen rund 0,8 % und 1,2 %. Die Impulse gehen dabei überwiegend von der Binnenkonjunktur aus, insbesondere durch steigende staatliche Investitionen und einen sich allmählich erholenden privaten Konsum. Der Außenhandel dürfte aufgrund geopolitischer Risiken, globaler Handelshemmnisse und einer schwachen Auslandsnachfrage weiterhin nur begrenzte Wachstumsbeiträge leisten.
Für das Jahr 2026 wird eine Inflationsrate von rund 2,0 % prognostiziert und damit eine Preisentwicklung nahe dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. Der Inflationsdruck dürfte weiterhin vor allem von Dienstleistungen und Lohnentwicklungen ausgehen, während von Energie- und Warenpreisen nur noch begrenzte Impulse erwartet werden.
Der Arbeitsmarkt zeigte sich bislang vergleichsweise robust, allerdings mit zunehmenden Anzeichen einer Abschwächung. Die Zahl der Erwerbstätigen stagnierte, während die Arbeitslosigkeit leicht zunahm. Für 2026 wird von einer weiterhin verhaltenen Entwicklung ausgegangen, da der Arbeitsmarkt zeitverzögert auf konjunkturelle Impulse reagiert. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Jahresverlauf 2025 bereits angestiegen und dürfte 2026 weiterhin auf einem erhöhten Niveau liegen.
Insgesamt ist das wirtschaftliche Umfeld im Jahr 2026 von einer erkennbaren, aber fragilen konjunkturellen Erholung geprägt. Diese kann die strukturellen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft nicht vollständig kompensieren. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von der Stabilität der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, der konsequenten Umsetzung öffentlicher Investitionsprogramme sowie vom Umgang mit dem strukturellen Wandel und den geopolitischen Risiken ab.
Für die Wohnungswirtschaft bleiben die Rahmenbedingungen trotz der erwarteten gesamtwirtschaftlichen Belebung anspruchsvoll. Hohe Bau-, Material- und Finanzierungskosten sowie langwierige Genehmigungsprozesse und Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft erschweren insbesondere im Neubau eine zügige Angebotsausweitung. In Berlin bleibt die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum unverändert hoch. Bevölkerungswachstum, veränderte Haushaltsstrukturen und ein insgesamt zu geringes Neubauvolumen verstärken den strukturellen Nachfrageüberhang. Vor diesem Hintergrund kommt den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des Wohnungsmarktes und der Sicherung bezahlbaren Wohnraums zu. Öffentliche Investitionen sowie verlässliche wohnungs- und klimapolitische Rahmenbedingungen bleiben hierfür entscheidend.
Die gesamt- und wohnungswirtschaftlichen Entwicklungen wirken sich unmittelbar auf den Geschäftsverlauf der GESOBAU aus. Der Vorstand beobachtet die Markt- und Konjunkturlage kontinuierlich, analysiert die Auswirkungen auf das Unternehmen und ergreift bei Bedarf gezielte Maßnahmen. Dabei stützt sich die GESOBAU auf ihre etablierte Marktpräsenz und langjährige Erfahrung in der Wohnraumversorgung sowie in der Sanierung und Modernisierung von Bestandsimmobilien, um den Herausforderungen des Wohnungsmarktes zu begegnen.
Für die kommenden Jahre plant die GESOBAU, ihre Investitionen in Neubauprojekte sowie in die energetische Sanierung konsequent fortzusetzen, um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, lebenswerte Quartiere in Berlin zu gestalten und einen nachhaltigen Beitrag zur Klimaneutralität zu leisten.
Auf Basis des Wirtschaftsplans für 2026 wird ein Konzernjahresergebnis von 9,3 Mio. € und ein EBITDA von 137,1 Mio. € erwartet. Die Umsatzerlöse werden in Höhe von 428,9 Mio. € prognostiziert. Die durchschnittliche Sollmiete für Wohnungen liegt planerisch, insbesondere durch BGB-Mieterhöhungen im Bestand sowie durch Neubau- und Ankaufsergänzungen, bei 7,45 €/m². Die Leerstandsquote und die damit verbundenen Erlösschmälerungen werden aufgrund der derzeitigen positiven Marktentwicklung weiterhin auf niedrigem Niveau erwartet.
Für die GESOBAU AG geht der Vorstand auf Basis des Wirtschaftsplans für das Jahr 2026 bei steigenden Umsätzen (auf 404,0 Mio. €) von einem Bilanzgewinn in Höhe von 9,7 Mio. € aus. Das EBITDA wird mit 132,3 Mio. € geplant.
Die strategische Kernaufgabe der GESOBAU – der Neubau bezahlbarer Wohnungen in Berlin – erhält weiterhin hohe Priorität. In den kommenden fünf Jahren sollen rund 1,2 Mrd. € in Neubauprojekte investiert werden, um die Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum zu sichern. Neubauvorhaben werden sowohl auf neuen Flächen als auch auf bereits vorhandenen Grundstücken umgesetzt, orientiert an unserer Wachstumsstrategie und den Wachstumszielen des Landes Berlin.
Parallel verfolgt die GESOBAU ihre Klimastrategie im Rahmen des Berliner Klimapakts 2025–2030, indem sie gezielt in Modernisierungs- und energetische Sanierungsmaßnahmen investiert, um den Wohnungsbestand langfristig klimaneutral zu gestalten. Für diese Maßnahmen stehen in den nächsten fünf Jahren rund 309,4 Mio. € zur Verfügung.
3.2 Weiterentwicklung der erfolgreichen Strategie
Die GESOBAU AG verfolgt weiterhin konsequent ihre strategischen Ziele: die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in Berlin und die Realisierung eines klimaneutralen Gebäudebestands. Angesichts der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und der energieintensiven Natur des Gebäudesektors bleibt die Klimaneutralität eine zentrale Herausforderung.
Im Rahmen des Klimapakts Berlin hat die GESOBAU ihre Klimastrategie weiterentwickelt. Schwerpunkt ist die energetische Optimierung der Gebäudehülle – Fassade, Fenster und Dächer – sowie gezielte Modernisierungsmaßnahmen zur Reduzierung von Energieverbrauch und CO₂-Emissionen. Ziel ist es, bis 2045 alle gebäudetechnischen Voraussetzungen zur Erreichung der Klimaneutralität zu schaffen. Um die Mieter*innen aktiv einzubinden, werden Informationsangebote wie das Magazin Hallo Nachbar sowie verschiedene Energie- und Klimaschutzinitiativen genutzt. Für diese modularen, kreativen und praxisnahen Mitmach- und Bildungsaktionen zur Nachhaltigkeit wurde die GESOBAU im Jahr 2025 mit dem Zero-Waste-Award ausgezeichnet.
Parallel treibt die GESOBAU ihre Neubauaktivitäten mit hoher Priorität voran, um den steigenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in Berlin zu decken. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Neubaumaßnahmen mit Mietpreisbegrenzungen, die insbesondere Haushalten mit mittleren und niedrigen Einkommen zugutekommen. Ökologisch vorteilhafte Maßnahmen wie Nachverdichtungen und Dachaufstockungen ermöglichen die Schaffung zusätzlichen Wohnraums ohne weiteren Flächenverbrauch oder Bodenversiegelung. Mit Blick auf soziale Vielfalt und lebenswerte Quartiere werden zudem die Mieterbeiräte gestärkt, die die Interessen der Nachbarschaften vertreten.
Ein weiterer strategischer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung von Bau- und Verwaltungsprozessen. Durch den Einsatz digitaler Lösungen werden Effizienzpotenziale gehoben, Prozesse transparenter gestaltet und der Service für Mieter*innen kontinuierlich verbessert.
Die GESOBAU verankert Nachhaltigkeit systematisch in ihrer Unternehmensstrategie. Dies umfasst die klimafreundliche Gestaltung von Neubau- und Modernisierungsprojekten, die Förderung sozialer Verantwortung in den Quartieren sowie eine transparente und verantwortungsbewusste Unternehmensführung. Die Mitarbeitenden werden aktiv einbezogen: durch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen, die Förderung einer offenen und vielfältigen Unternehmenskultur sowie gesundheits- und sicherheitsorientierte Arbeitsbedingungen.
Der nachhaltige Erfolg dieser Maßnahmen zeigt sich u. a. in der erneuten Auszeichnung der GESOBAU beim Wettbewerb Beste Arbeitgeber Berlin-Brandenburg 2025 von Great Place To Work®: Das Unternehmen wurde bereits zum siebten Mal für seine Arbeitsplatzqualität und Arbeitgeberattraktivität als einer der besten Arbeitgeber der Region geehrt.
Darüber hinaus engagieren sich die Mitarbeitenden der GESOBAU für soziale Projekte in den Berliner Quartieren. Im Jahr 2024 wurden im Rahmen des sozialen Unternehmensziels insgesamt 1.730 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet, in 2025 wurde das Engagement auf über 2.100 Stunden ausgeweitet. Jede geleistete Stunde wird zudem durch Spenden an die GESOBAU-Stiftung unterstützt und verdeutlicht die soziale Verantwortung des Unternehmens in den Beständen und Quartieren.
Auf diese Weise wird wirtschaftliche Stabilität mit ökologischer Zukunftsfähigkeit und gesellschaftlichem Mehrwert verbunden.
Der Vorstand bewertet den Fortgang des Geschäftsverlaufs als nachhaltig stabil. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen, hoher Service für Mieter*innen und Partner, engagierte und qualifizierte Mitarbeitende sowie stabile Einnahmen bilden die Grundlage für den langfristigen Erfolg der Gesellschaft.
Berlin, 19. Februar 2026

Lars Holborn

Christian Wilkens